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Ich lass Dir Deine Freiheit II
Datierung: 2013
Person:
Maße: 100 × 73 cm; Rahmen: 155 × 107,9 × 5,2 cm
Material/Technik: Farbstift, Bleistift, Aquarell auf Papier, Faden
Creditline: Artothek des Bundes
Beschreibung: Die Zeichnung „ich lass Dir Deine Freiheit II“ thematisiert das Verhältnismaß von Freiraum geben und Grenzen aufzeigen in einer Beziehung. Engt man zu sehr ein, erdrückt man den anderen – lässt man zu viel Freiheit, entschwindet er.
Ein Junge hält seinen linken Arm hoch, auf seiner Hand sitz ein kleiner Vogel. In der rechten Hand, die hinter den Rücken der Figur geführt ist, hält er ein Band, das an den Füßen des Vogels befestigt ist. Dem Federtier wird zwar der Weitblick gewährt, jedoch sind die Bande zwischen den beiden klar abgesteckt und nur einseitig bestimmt.

artists statement
Ich sehe Papier als skulpturales Material, weil es neben seiner Flächigkeit auch raumgreifende Qualitäten hat. Indem ich das Papier breche, biege und einschneide weiche ich die rein illusionistischen Konstrukte der Zeichnung auf und führe sie an den realen Raum heran. In meiner Arbeit soll das Medium beide Rollen übernehmen: die des Bildzeichens und die des Bildträgers. Der Bildträger bleibt nicht mehr auf seine Funktion als zweidimensionaler Bildgrund beschränkt. Er wird zu einer autonomen Form, der maßgeblich die Darstellung der Sujets mitgestaltet. In meiner Arbeitsweise entsteht daher das Bildzeichen Zug um Zug mit dem Bildträger. Sie verbinden sich zum fertigen Bild, angelegt in einem Spannungsfeld zwischen den
Kategorien Zeichnung und Skulptur.
Inhaltlich nehme ich das flüchtige Gefühl des Unbehagens in einer zwischenmenschlichen Beziehung als Ausgangspunkt. Dabei interessiere ich mich besonders für die unterschwelligen Strategien und Handlungsweisen die dazu dienen Dominanz seinem Gegenüber aufzubauen und zu erhalten. In Anlehnung an Pierre Bourdieus „symbolische Gewalt“ spüre ich jenen Situationen nach, die keine greifbaren und eindeutigen Über- und Angriffe erkennen lassen, sondern auf der emotionalen und psychischen Ebene stattfinden. Das Spektrum reicht dabei von Vorwürfen und Drohungen über Herabwürdigung, Beschämung bis zu Bedrängen, Einengen oder Rückzug und Schweigen – allesamt eingehüllt in den Deckmantel von „Liebe“ und „nur Dein-Bestes-Wollen“.
iris christine aue
Objektnummer: 27832