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Charming Passage
Datierung: 2007
Person:
Maße: 200 × 90 × 8 cm
Material/Technik: Aluminium, Stahl, Kunststoff; variables Objekt
Creditline: Artothek des Bundes
Beschreibung: Der temporäre Charakter der Objekte von Krüger & Pardeller umfasst in seiner physischen Dimension nicht nur materiell-architektonische, sondern auch ‚immaterielle’ Regelwerke. Solche Regelwerke lassen sich – wie etwa im Fall von Charming Passage – an den jeweiligen Konstellationen systemischer Module ablesen. Die jeweils gewählte Form beschränkt sich nicht nur – wie im Fall der klassischen Ortsspezifik – auf eine prinzipiell unwiederholbare Intervention, sondern trägt stets das Potenzial einer anderen, noch nicht realisierten, mithin: künftigen Ordnung in sich. Das somit gegebene Prinzip der Optionalität lässt ‚spezifische Orte’ als Variablen innerhalb sie strukturierender Regelwerke erscheinen, die sie auf immer wieder neue Weise modulieren. Soziale Ordnungen werden auf diese Weise nicht nur beschrieben und dargestellt, sondern immer auch als veränderliche erfahren: Eine solche Form der Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten lässt sich mit Deleuze auf jene dauerhafte Form des Lernens und Weiterbildens beziehen, die sich (...) in einer methodenreflexiven Affinität für Probenformate artikulieren.

Wie etwa im Fall von Charming Passage geht es hierbei um zeiträumliche Verteilungen der Kommunikations- und (Inter-)Aktionsformen ihrer Produzent_innen und Nutzer_innen:
Der (...) Anteil der (Körper-)Bewegung an der Herstellung eines funktionales Orts erhält hier also einen dezidiert choreografischen Charakter, den es – dem Dispositiv der Aufführung vergleichbar – immer wieder aufs Neue zu aktualisieren gilt. Bezogen auf das Dispositiv der Ausstellung impliziert dies eine strukturell serielle, gleichsam von den Beteiligten je nach Situation auszutestende Konstellation aus Objekten und Subjekten. Indem sich also der funktionale Ort nurmehr in Gestalt situativer und beweglicher Relationen artikuliert, erlaubt er eine stets ‚nur’ provisorische Verknüpfung ästhetischer und sozialer Faktoren und Formate. Somit kann also nicht, wie in den ‚Relational Aesthetics’, von dem Versuch ihrer Gleichsetzung die Rede sein, sondern vielmehr von einem Interesse an den zugleich situativen und optionalen Regeln, die die jeweiligen Verhältnisformen stets aufs Neue konstituieren und durchmischen.

Textauszug aus: Sabeth Buchmann, Regeln auf Probe, in AESTHETIC BASIC CHRONICLE, VOL. 1, Krüger & Pardeller (eds.), Sternberg Press, Berlin, 2014
Objektnummer: 27984